Kinder, Kinder …

… liebe Frau Ami, danke für diesen Artikel. Er hat meine Gedanken doch sehr durcheinander gewirbelt. Wir sind drei Geschwister, ich bin das Mittlere, das „Sandwichkind“ und war oft der Meinung, daß meine Eltern meinen Bruder und meine Schwester viel mehr liebten als micht (typisch für ein Sandwichkind, habe ich mir sagen lassen).
Heute weiß ich, diese Befürchtung war vollkommen unbegründet. Meinen Kindern geht es bestimmt ähnlich.  Vor allem die große Plage hat sicherlich manchmal das Gefühl hinten an zu stehen – und ich muss, zu meiner Schande, sagen, hin und wieder ist das wohl auch so. Er ist ein Kind, das es einem nicht leicht macht. Als Baby ein wahrer Sonnenschein ist er jetzt ein Knurrhahn. Ständig am Motzen, selten am Lachen, immer hat er das Gefühl, die Welt behandelt ihn ungerecht. Ihm fehlt die Unbeschwertheit, die sein jüngerer Bruder auf jeden Fall hat. Der Kleine wacht morgens mit einem Grinsen im Gesicht auf, der Große stöhnt unter der Last des noch nicht einmal richtig angefangenen Tages. Nicht, daß der Kleine nicht auch seine Macken, seine Tobsuchtsanfälle und Brüllattacken hätte, aber er nimmt das Leben einfach leichter. Der Große macht es mir manchmal schwer in zu lieben, sein Jähzorn, seine Ich-Bezogenheit und Ungeduld treiben mich an meine Grenzen und lassen regelmässig den „roten Nebel“ vor meinen Augen aufsteigen und ich wünschte, ich könnte ihn etwas von dieser Unbeschwertheit zurück geben, er ist ja schließlich auch noch klein. Ich weiß, ich habe hohe Ansprüche an meine Plagen, ich möchte, daß sie fähig sind, später ihren eigenen Weg zu meistern, daß sie tolterante Menschen werden, die ihren Mitmenschen mit Freundlichkeit und Respekt begegnen und die entscheiden können, welche Menschen gut für sie sind und welche nicht. Und es ist sicher nicht immer einfach, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, vor allem wenn man erst (fast) 9 und 5 Jahre alt ist. Als der Ärger mit unserer großen Plage immer schlimmer wurde und selbst der Liebste feststellte, daß ich kaum noch mehr ein gutes Wort für ihn (den Großen) hatte, haben wir uns professionelle Hilfe gesucht und sind zur Erziehungsberatung gegangen. Mann, was hab´ ich mich geschämt vor diesem Mann über unsere Probleme zu sprechen. Aber es hat geholfen. Ich weiß definitv, ich liebe den Großen nicht weniger als den Kleinen, manchmal sicher auf eine andere Art. Wegen dem Kleinen habe ich früher, weil er nicht durchschlafen wollte, nächtelang das Kissen windelweich geboxt vor Wut. Auch das ging vorüber. Vielleicht gibt es einen Grund, wieso meine Kinder so sind, wie sie sind.
Aber Frau Ami hat recht, man muss einfach lernen, sie so zu nehmen, wie man sie gekriegt hat, es sind Individuen, man kann sie sicher miteinander vergleichen, aber jeder ist sein eigenes Wunder: sie sind mal stark, mal schwach, mal liebenswert und mal zum Davonlaufen, sie sind unwiderstehlich und hin und wieder zum Kotzen, sie haben viele Talente (einige sicher noch unerkannt) und auch Schwächen. Sie sind meine Kinder … und ich liebe sie, alle beide .. ganz fürchtlich! Ich reisse mir für euch beide Arme aus, lege meine Hände ins Feuer und euch zu verlieren wäre mein allergrößtes Unglück!

3 Antworten to “Kinder, Kinder …”

  1. blixum Says:

    hm, vielleicht die plage in gedanken nur noch mit sonnenschein betiteln.
    kinder können doch gedanken lesen.
    lg
    christine

  2. workingmum Says:

    Geht auch „Ihr süßen Scheisserchen“ …?

  3. amidelanuit Says:

    toll geschrieben. ehrlich. das tut gut!! danke!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: